Vita

Udo O.H. Jung wurde am 08.01.1941 in Solingen geboren. Er studierte Anglistik, Geschichte, Pädagogik und Philosophie in Freiburg i. Brsg. und Edinburgh (Schottland). Seine akademische Laufbahn führte ihn von Kiel über Marburg nach Bayreuth. Dort war er bis 2002 Geschäftsführer des Sprachenzentrums der Universität.

Neben seiner Tätigkeit am Sprachlabor des Englischen Seminars der Universität Kiel leitete er eine Arbeitsgemeinschaft, die sich mit dem Thema „Legasthenie in Wissenschaft und Unterricht“ beschäftigte.

In die Marburger Zeit fällt die Mitherausgeberschaft der Zeitschrift System: An International Journal of Educational Technology and Applied Linguistics. Er fungierte als Review Editor von System, eine Position, die er bis 1996 inne hatte, danach als Assistant Editor bis 2011.

In seiner Eigenschaft als Leiter (1982-1988) der Sektion „Technologie und Medienverbund“ der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) organisierte er 1984 die erste Man and the Media Konferenz, der bis 1997 vier weitere in Saarbrücken, London, Wien und Nancy folgten.

Während des Brüsseler Kongresses (1984) der Association Internationale de Linguistique Appliquée (AILA) wurde er zum Convenor der Commission on Educational Technology and Language Learning (Cetall) gewählt, ein Amt, das er bis 1999 inne hatte.

Zum Sommersemester 1989 wechselte er an die Universität Bayreuth. Der Peter Lang Verlag bot ihm zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, in einer eigenen Reihe, den Bayreuther Beiträge(n) zur Glottodidaktik, seine Forschungsergebnisse und die seiner Kollegen publik zu machen.

Die Einbindung in internationale Communities spiegelte sich auch in der Übernahme von Verpflichtungen für den Advisory Board des Referateorgans Language Teaching (Cambridge University Press) sowie die französischen Zeitschriften Cahiers de l’APLIUT und Anglais de Spécialité (ASp).

Für die universitätsinterne Selbstdarstellung des Sprachenzentrums (Kürzel Eszett) stand eine eigene Schriftenreihe, Der Eszettelkasten, zur Verfügung. Was Studenten und Dozenten sich in einem oder mehreren Semestern erarbeitet hatten, wurde dort publiziert. Einige dieser Arbeiten schafften es in fachdidaktische Zeitschriften und in die Deutsche Nationalbibliothek.

Da es dem Eszett an einem Lektor für Deutsch als Zweitsprache mangelte, übernahm Jung auch das abschließende Seminar zur Landeskunde für ausländische Studenten. Mit seinen Schülern durchmusterte er diverse Datenbanken, in denen die Straßennamen in Deutschland Ost und West inventarisiert waren, um Zugang zum kollektiven Gedächtnis zu erlangen. Erst nach seiner Pensionierung (2002) fand er ausreichend Zeit, die Vorstudien auf eine breitere Basis zu stellen, und fasste dann 2014 die Ergebnisse dieser Forschungen in dem im Münchener iudicium Verlag erschienenen Buch Deutsche SchildBürgerKunde: Das ausgestellte Gedächtnis der Nation zusammen.

In Fortsetzung und Erweiterung dieses Ansatzes erschien 2021 im BoD-Verlag sein „Investigativer Fremdsprachenunterricht“. Dieses Buch zeigt, wie Lernende des Deutschen als Zweit- oder Fremdsprache, des Engli­schen oder des Französischen sich dem kulturellen wie auch dem kommunikativen Gedächt­nis von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Luxemburg, Österreich und den Vereinigten Staaten von Amerika annähern, indem sie fremdsprachenunterrichtstaugliche Dokumente − Straßennamen, Schulnamen, Briefmarken, Leserbriefe, Cartoons, Belletristik, kulturelle Schlüsselerlebnisse − bearbeiten, um bedeutende Aspekte der Zielsprachenkultur aufzudecken und mit einander zu vergleichen. Lehrer und Schüler kooperieren in gleichsam detektivischer Absicht und klären so Sachverhalte auf, die selbst Kennern verborgen geblie­ben sein können. Zwar ist der Fortgeschrittenenunterricht der locus classicus des Investigativen Fremdsprachenunterrichts, seine Methoden lassen sich jedoch so weit heruntertransponieren, dass Schü­ler mit geringeren Vorkenntnissen daran teilhaben können. Unserem Zielobjekt, dem kulturellen Gedächtnis, können auch jene nicht ausweichen, die statt einer die Vergangenheit berücksichtigenden Landeskunde lieber eine Gegenwartskunde, die der Globalisierung der modernen Welt Rechnung trägt, etablieren möchten. Das kulturelle Gedächtnis ist mitbestimmend für die Gegenwart, weil es Vergangenes zwanghaft herauf­beschwört.

Jung lebt mit seiner großen Liebe seit 2002 in Bad Godesberg. Die beiden haben zusammen in Freiburg i. Brsg. studiert und sind seit mehr als 50 Jahren verheiratet. Ihr einziger Sohn, Volker, hat Computerwissenschaft und Betriebswirtschaft studiert. Ohne seine Informatikkenntnisse wären die Forschungen zum kollektiven Gedächtnis nicht über die Anfangsgründe hinweggekommen.